Geschichte des Westbesuch e.V.

Was 2005 als lose Initiative von Kulturakteuren auf der Karl-Heine-Straße begann, ist mittlerweile zu einer festen Größe im Leipziger Kulturleben gewachsen.

Damals: den Westen beleben
Als sich Anfang der 90er Jahre mit der Schaubühne Lindenfels erstmals neues kulturelles Leben in der Karl-Heine-Straße regte, glaube niemand an eine nachhaltige Wiederbelebung der Straße. Zu diesem Zeitpunkt war der Leipziger Westen eine Industriebrache. Auf der Karl-Heine-Straße gab es außer der Schaubühne fast nur leere Läden und halb verfallene Häuser. Die Prognosen waren aufgrund sinkender Einwohnerzahlen pessimistisch: 2004 sah der Leiter des Stadtentwicklungstreffens für die Karl-Heine-Straße keinerlei Zukunftschancen.
Um den Schaubühne-Chef René Reinhardt fanden sich damals ein Dutzend kreativer Leute, die dem Viertel Leben einhauchen wollten - die Idee für das erste Straßenfest auf der Karl-Heine-Straße entstand. Künstler zeigten in den leeren Läden ihre Ausstellungen, Bands musizierten zwischen Trödelständen, Kinder vergnügten sich bei Spiel und Spaß. Es ging ums Mitgestalten, um Aktion und Kommunikation. 300 Besucher kamen im Jahr 2005  - heute sind es 20.000.

Seit 2009: Aufschwung West
Es ist nicht zu übersehen: Die Karl-Heine-Straße zwischen Felsenkeller und Westwerk erlebt eine Renaissance – initiiert und begleitet durch ansässige Kulturschaffende. Was vormals nur temporär bei den Kunst-, Kultur- und Straßenfesten gelang, ist mittlerweile der Normalzustand. Die Straße lebt. Zahlreiche denkmalgeschützte Häuser, die vom Einsturz bedroht waren, konnten von ihren Besitzern saniert werden. Der Westen ist ein lebenswerter Stadtteil geworden.

Heute: Bewahren
Mit dem "Aufschwung West" macht sich seither auch eine zwiespältige Entwicklung bemerkbar: Schnöder Kommerz verdrängt zunehmend belebende Kultur. Auf der Karl-Heine-Straße haben zahlreiche Cafés und Lokale neu eröffnet. Dafür mussten wegen steigender Mieten alteingessene Initiativen, Geschäfte und Künstler ihre Räume verlassen, um finanzkräftigen Unternehmen Platz zu machen.
Der Westbesuch e.V. sieht diese Entwicklung kritisch. Nachdem das erste Ziel, die Belebung der Straße, erreicht ist, es kommt nun darauf an, die Freiräume und das vielfältige Leben im Stadtviertel zu bewahren.
Die kulturellen Zugewinne sollen nicht aufgrund großer, kommerzieller Unternehmen verloren gehen. Es müssen weitere Kooperationen entstehen, um Verluste zu vermeiden. Damals wie heute geht es um das Gestalten des eigenen Stadtraums.

Inhalte und Umfeld verändern sich, doch es bleibt der Anspruch, ein „Recht auf Stadt“ aktiv einzufordern.